Hymnen

Weltgeschichte - Weltkultur - Weltmenschen

 

Der eine oder andere offizielle Anlass zum Musizieren, eine kanadisch-deutsche Hochzeit, Niccolò Paganinis kraftstrotzend auftrumpfendes Variationskaleidoskop zu "God save the King" und - natürlich die schönste Nebensache der Welt - die großen aller zwei Jahre ausgetragenen ultimativen, sinnberaubenden Fußballwettbewerbe im Männersport mit der Jagd nach dem runden Leder und den zuvor kraftvoll intonierten Kampfesaufrufen und leidenschaftlich vorgetragenen Liebesbekundungen zu den eigenen Wurzeln: Das waren die wesentlichen Ingredienzien für Florian Mayers Hinwendung, den Melodien des Nationalstolzes komprimierte Aufmerksamkeit zu verschaffen, sich ihnen zu verschreiben.

 

Was 2014 als sportliche Herausforderung begann, die 32 Nationalhymnen des brasilianischen WM-Turniers an einem Abend darzubieten (und fulminant im WM-Titel für das Land des Solisten gipfelte), ist längst zu einer tiefschürfenden Herzensangelegenheit geworden. Denn jede Hymne bildet Geschichte und Kultur und ihre Menschen ab, sie zeigt Siege und Niederlagen auf, sie verbindet und trennt, erleuchtet und verklärt. In einem scheint sie von besonderer Stärke - den Wert und die Kraft von Gemeinschaften abzubilden und hochzuhalten. Unverzichtbar, weil die entscheidenden Mittel dabei: die Musik und das Wort. Was kann es schöneres für einen Künstler geben?

 

Als interessierter und auch aktiver Sportler ist es für Florian Mayer der allerschönste und offensichtlichste Grund, aller zwei Jahre mit seinen Hymnenprogrammen in Erscheinung zu treten. Die Europa- und Weltmeisterschaften der balltretenden Zunft sind dabei jedoch nur das Vehikel für die tiefer gehende Ambition. Während bei den Auftritten nicht wenig augenzwinkernd zwischen Kunst und Sport changiert wird, bleibt die Herausforderung bestehen und immens, dem Konzertpublikum, im übrigen zunehmend auch Schülern unterschiedlichster Klassenstufen, ein wichtiges Stück Kulturgeschichte nahezubringen.