Präludien

Interpretation, Komposition, Tradition und Fantasie - der Präludien-Zyklus

 

Angeregt vom recht unbekannt gebliebenen Solowerk "Dix Préludes" des berühmten franko-belgischen Violinvirtuosen Eugène Ysaÿe aus dem Jahre 1925 komponierte Florian Mayer 2013 für sein CD-Debüt elf Präludien, die sich, wie ihr Vorbild, mit den gängigen Tonintervallen befassen. Vom Einklang bis zur Dezime erhält jedes Intervall seine eigene Interpretation, entfaltet einen eigenen Geist und entwickelt sich von bloßer Mathematik und musikalischer Theorie zum vollwertigen Charakterstück. Einen besonderen Effekt erzeugt die hallige Akustik des Chorraumes der Freiberger Petrikirche, in welchem die Aufnahme realisiert wurde. Die Komposition enstand speziell in und für diesen Raum und lässt den langen Nachhall zu einem wichtigen Bestandteil der Musik werden.

Die CD "Elf Präludien für Violine solo", veröffentlicht 2014, ist beim Künstler selbst erhältlich sowie auch im gut sortierten Fachhandel oder bei Talanton Records (TAL 90014).

 

Das Nachfolgeprojekt "Treize Préludes pour Violon seul" ist seit längerem in Vorbereitung. Das Werk von Eugène Ysaye wurde in den 50er Jahren von Fachleuten entdeckt und anhand von handschriftlichen Manuskripten und Skizzen rekonstruiert. Jedoch waren drei der dreizehn konzipierten Präludien nicht mehr auffindbar. Es existieren nur Stücktitel bzw. Bezeichnungen. Florian Mayer wird sie nachkomponieren, dabei mit dem Gedanken, im Sentiment dem Meister folgen zu können. So scheint es möglich, dass Lesarten entstehen, die sich in einem Abstand von fast neunzig Jahren womöglich gleichen und doch ein eindrückliches Eigenleben entfalten. Die Veröffentlichung wird aufgrund umfangreicher Recherchearbeiten noch ein wenig auf sich warten lassen. Diese werden eines Tages einen Besuch an der Wirkungsstätte des Violinisten im belgischen Lüttich mit einschließen. Zur weiteren Vertiefung des Themas wurde bereits mehrfach der etabliert fachkundige und renommierte deutsche Geiger Kolja Lessing konsultiert.

 

Ein Traum wäre es sicherlich, eines Tages als Konvolut gemachter Erfahrungen auf musikgeschichtlichem, kompositorischem und interpretatorischem Gebiet, sich in die legendäre "24er"-Tradition einzureihen, das heisst der Geigenliteratur 24 Präludien beizusteuern und zu bescheren, die eine Ergänzung darstellen können: in Traditon behaftet, mit moderner Lesart, keine Revolution und doch eine Neudeutung, formal und fantasievoll mit hohen, lohnenden Ansprüchen in Technik und Ausdruck. Für Geiger, welche die Herausforderung suchen und damit auf der Konzertbühne, gleich ob Studium, Probespiel oder Solokarriere, reüssieren wollen.