Paganini

Der Mythos Paganini

 

Eine der schillerndsten Musikerpersönlichkeiten, die es je gegeben hat. Eine Figur der höchsten Weihen und tiefsten Tragik. Ein mediterraner Kosmopolit des Zwiespaltes. Ein Menschenfänger und Eingesperrter. Der wahre Vertreter des Guten und Schönen, des Schlechten und Hässlichen. Oberfläche und Abgrund. Das Zündeln mit Ruhm und Sehnsüchten. Das Märchen und die Realität. Der Verwalter violintechnischer Taschenspielereien, der Notenzahlmeister, der Trickser, der Hexer. Das Biest auf der Bühne und der Engel unter der Theaterkuppel. Verkünder himmlischer Sphären und höllischer Entbehrungen. Sinngetrieben, wahnwitzig und irrlichternd - 

der Name Paganini sorgt bis in unsere Zeit für den Stoff, aus dem Deutungen gestrickt werden...

 

Florian Mayer beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesem scheinbaren Nonplusultra der virtuosen Violinmusik und stellt sich öffentlich in Musik, Text und Dramaturgie der Frage, wie teuflisch der auch heute noch omnipräsente Meister mit seiner Geige wirklich ist. Er lässt Zeitgenossen und viele andere zum Tönen kommen und spart Persönliches im gesamten Auf und Ab des Fabulierens in keinster Weise auf. 

 

Ein komprimierter Konzertmitschnitt aus "Mein Paganini" im Rahmen der Meisterkonzerte auf Schloss Albrechtsberg vom März 2015 wurde gegen Ende 2015 auf CD bei Talanton Records (TAL 90017) veröffentlicht. Er enthält nicht nur Stücke von Niccolò Paganini - sowohl im Original, jedoch auch improvisiert dargeboten - sondern auch von Pietro Locatelli, Heinrich Wilhelm Ernst, Karol Lipinski und ein fiktives Duett mit George Gershwin. Die eingesprochenen Texte stammen in der Mehrzahl von Florian Mayer. Zusätzlich enthält diese Sammlung Mayers Neubearbeitung des Mephisto-Walzers No. 1 von Franz Liszt für Solovioline.

 

Dem umfangreichen noch nicht veröffentlichten Material Rechnung tragend, arbeitet Florian Mayer seit reichlich zwei Jahren an der Fortsetzung: "Mein Paganini - HERBSTREISE". Sie befasst sich in 24 Bildern aus Musik und Text mit dem Unterwegssein des Virtuosen, mit balladesken Verklärungen und Fantasien und mit der Gefühlslage des Schauspielers Klaus Kinski zu seinem Alter Ego. Die Zusammenstellung enthält wiederum reichhaltiges Material - weitere Capricen aus dem Opus 1-Zyklus von Paganin, wieder Stücke von Ernst und Lipinski, doch auch Musik von Robert Schumann, Franz Schubert, Pierre Rode, Rodolphe Kreutzer sowie Texte von Johann Wolfgang von Goethe, Georg Trakl, Theodor Storm, Klaus Kinski und Mayer.  

 

Wiederum in fernerer Zunkunft ist ein weiteres Konzertprojekt, diesmal unter dem Titel "Paganinissimo", avisiert, welches Niccolò Paganinis und dessen Weggefährten Verhältnis zur Oper zum Thema macht. Hier wird es unter anderem, neben den obligatorischen Textbeiträgen, Begegnungen mit Giacomo Rossini, Louis Spohr und auch Franz Lehàr geben.

 

Bereits vor einiger Zeit hat der Dresdner Schriftsteller Klaus Funke zusammen mit Florian Mayer eine szenische Variante seines Paganini-Romans "Der Teufel in Dresden" erarbeitet, die in einzelnen Bildern Episoden eines Konzertgastspiels des Virtuosen in der Elbmetropole schildert.